Wir können auch anders

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Re: Wir können auch anders

Beitragvon GG146 » Donnerstag, 15. Oktober 2015, 15:20:26

In der Facebook - Gruppe Vereinbarkeit von Familie und Beruf / Kinderbetreuungsbörse Wigwam 1994 gesehen und kommentiert:

Mission Arbeitswelt ändern – Die alten Zöpfe müssen ab.
Kennen Sie das? Das alte Kleid passt nicht mehr - das neue wurde noch nicht geliefert, und es findet sich auch noch nichts im Schrank was dazu passen könnte. Dazwischen liegen Prozesse, denen man staunend oder ängstlich seinen Lauf lassen kann. Stur auf der Bremse stehen, wird jedenfalls nicht helfen.

Überzeugungsarbeit ist anstrengend, aber zuweilen kommt einem der Zeitgeist spielend zu Hilfe. Eine wunderbare Reportage, die ich allen nur empfehlen kann. Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist längst eingebettet in einen viel größeren Kontext: Vereinbarkeit von Beruf und Leben.

Hieß es vor Jahrzehnen noch: Frau Müller zum Diktat :) , oder wie die in der Reportage vorgestellte junge Vortragende, Steffi Burkhard, aus ihren ersten Berufserfahrungen in einem großen Unternehmen erzählt: "Frau Burkhard benutzen Sie bitte den Handlauf (Treppengeländer), wenn Sie nach unten gehen", hat die neue Generation andere Ansprüche an ihr Arbeitsleben. Und diese Ansprüche treffen aktuell auf ziemlich fruchtbaren Boden, denn der Fachkräftemangel ist schon da! 6,5 Mio. Arbeitnehmer sollen im Jahr 2025 dem Arbeitsmarkt fehlen. Und wer als Unternehmer da zu spät kommt, den bestrafen irgendwann gähnend leere Büroräume.

Und dennoch: Ein großer Teil der Beschäftigten von heute macht noch immer Dienst nach Vorschrift, und jeder fünfte Mitarbeiter soll lt. Studien seinem Arbeitsleben gegenüber destruktiv eingestellt sein. Die Hauptgründe, die dafür genannt werden, sind neben einem miesen Führungsstil, die schlechte Ausstattung am Arbeitsplatz, aber auch verkrustete innerbetriebliche Strukturen, aufrecht erhalten von ebenso verkrusteten Vorgesetzten, die u.a. allein aus der Dauer ihrer Dienstzeit oder dem ihnen einmal verliehenen "Pupskissen" einen Anspruch auf Gehorsam an die nächste Generation ableiten. Kommt nicht so gut :) . Wie hartnäckig sich solche Strukturen trotz unaufhaltsamem Wandel in diesem Land halten können, sehen wir an landauf landab völlig untüchtigen Verwaltungsapparaten, die eigentlich fast nichts Kreieren außer neue Bremsklötze.

Wie kommt es, dass ein Großteil der nachwachsenden Generation sich ungeschriebenen Regeln und deutlich zur Schau getragenen Werten nicht mehr bedingungslos anschließen möchte; dieser Frage geht die Reportage auf sehr anschauliche Weise nach. Das demokratische Verständnis übertragen sie in ihr eigenes Leben; es überholt die pedantische Ordnung, den unterwürfigen Gehorsam, die Aufopferung für den Betrieb auf Kosten der eigenen Bedürfnisse, der Freude am Tun bis hin zur Gefährdung der eigenen Gesundheit. Und von daher kann man mit ziemlicher Sicherheit annehmen, dass eine gelingende Vereinbarkeit von Beruf und Familie schon bald nur noch ein Baustein des kommenden Wertewandels sein wird; auf jeden Fall aber wird es nichts mehr sein, was mühselig dem Arbeitgeber abgerungen werden muss. Und darauf freue ich mich ganz besonders!

Ich mag diese Generation, die auf Vielfalt und Mitbestimmung setzt, und die irgendwann auch die Drohung, den Job deswegen einmal wechseln zu müssen nicht mehr schrecken kann. Im Beitrag wird es auf den Punkt gebracht:

Es geht um Augenhöhe statt stumpfsinniger Hierarchie.

Die Arbeit muss Sinn und Spaß machen!

Diese Reportage zeigt auf anschauliche Weise, dass diese Wünsche nicht begrenzt bleiben auf innerbetriebliche Abläufe. Der Wandel setzt sich fort, in der Form, dass materielle Werte ebenfalls infrage gestellt werden. Und damit wäre auch der reinen Profitgier der Kampf angesagt, die echter Anerkennung zunehmend weichen müsste. Und wenn ich das in den Unternehmen nicht bekomme, dann mache ich mich eben selbständig. Das Risiko zu scheitern wird zunehmend als geringeres Übel oder gar als persönliche Herausforderung empfunden.

Die Definition von Arbeit kann und wird nicht so bleiben. Die neue Generation will nicht mehr buckeln und ranglotzen. Verbunden mit den Möglichkeiten der digitalen Welt wird am Ende das Ergebnis zählen, ganz losgelöst vom Fleißigen, der noch mit maximaler Anwesenheitszeit glänzen konnte. Ein schönes Beispiel dafür sehen Sie ab Minute 2.20 bei der Firma Bosch und deren Forschungscampus Renningen. Hier investiert man ernsthaft in eine neue Arbeitskultur. Und wenn man dem vorgestellten Material trauen kann, unterscheiden sich die Gedankengänge dort doch erheblich von dem was in silicon valley so mehr nach "Work is no longer a place; it's my home" riecht.

An dem Zitat von Robert Schumann "Das Talent arbeitet, das Genie schafft" war schon immer was dran!

herzliche Grüße
Susanne Rowley

http://www.swr.de/betrifft/betrifft-rau ... index.html



>> Verbunden mit den Möglichkeiten der digitalen Welt wird am Ende das Ergebnis zählen, ganz losgelöst vom Fleißigen, der noch mit maximaler Anwesenheitszeit glänzen konnte. <<

Das ist allerdings sehr weit überfällig. Wenn man den Abschied vom blinden Gehorsam gegenüber dekadenten Nieten in Nadelstreifen als nette Zukunftsperspektive sieht und auf eine zu lange Bank schiebt, versenkt die Gemeinde der bundesdeutschen Totalversager und A .... cher mit Macht in Politik und Wirtschaft womöglich noch vor durchgreifenden Strukturreformen den hiesigen Massenwohlstand vollständig.

Dass unsere großkopferten Blindgänger das destruktive Potential dazu haben, stellen sie tagtäglich unter Beweis, siehe BER, Elbphilharmonie usw. und vor allen Dingen Volkswagen.
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Re: Wir können auch anders

Beitragvon GG146 » Mittwoch, 09. Dezember 2015, 09:20:32

Die Spende von 99 % des Zuckerberg - Vermögens ruft Zweifler auf den Plan:

Mark Zuckerbergs PR-Coup

Die “Spenden” der Reichen

(...)

Genau in diese selbst geschlagene Bresche springen nun Unternehmen und Unternehmer wie Gates, Zuckerberg, Facebook oder Google und leiten damit das fin de siècle der Sozialstaatsidee ein. Statt hoher Steuerbeiträge für ein staatliches Wohlfahrtssystem zu entrichten, wollen diese Akteure Sozialpolitik privatisieren, oder zumindest Beeinflussen – zum eigenen Vorteil. Sozialpolitik, sprich Bildungspolitik, Gesundheitspolitik als auch Infrastrukturpolitik insgesamt, werden so zum Einflussgebiet und Geschäftsfeld der Unternehmen, während gleichzeitig dem Staat Steuermittel entzogen werden.

(...)


https://le-bohemien.net/2015/12/08/mark ... r-reichen/

Grundsätzlich halte ich die Privatisierung der Sozialpolitik nach us - amerikanischem Muster auch für demokratieschädlich und geeignet, neue feudalstaatliche Strukturen zu errichten. Allerdings wäre es für diese Kritik und für politische Gegenmaßnahmen hilfreich, wenn (noch) rein steuerfinanzierte europäische Sozialsysteme tatsächlich leisten würden, wofür die Steuerzahler sehr viel Geld aufwenden. Auf das deutsche Bildungs- und das britische Gesundheitswesen trifft das z. B. nicht zu. Beides ist steuerfinanziert, teuer und grottenschlecht - und: In beiden Fällen fördert die Ineffizienz der Verwendung von Steuergeldern die Refeudalisierung der betroffenen Gesellschaften stärker als die sehr große Zahl der privat gestifteten amerikanischen Schulen, Universitäten und Krankenhäuser.

Die demokratisch verfassten Gesellschaften könnten also sehr viel leichter Abwehrkräfte gegen demokratieschädliche Machenschaften der Milliardärskaste entwickeln, wenn sie demokratisch und rechtsstaatlich genug wären, um in den wichtigsten staatlichen Strukturen Korruption, Machtmissbrauch, Steuergeldverschwendung und jedweder sonstigen Pflichtvergessenheit von Staatsdienern wirksam begegnen zu können.
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Re: Wir können auch anders

Beitragvon GG146 » Dienstag, 15. Dezember 2015, 08:40:38

Die Steuerflucht der Stinkreichen entzieht den Staaten nicht nur Geld, sondern verschleiert auch noch den tatsächlichen Stand der globalen Vermögensverdichtung und Refeudalisierung:

Kapitalflucht-Studie: Reiche bunkern mehr als 20 Billionen Dollar in Steueroasen

Zwischen 21 und 32 Billionen Dollar sollen weltweit in Steueroasen liegen. Das hat jetzt die Untersuchung eines ehemaligen McKinsey-Managers ergeben. In manchen Entwicklungsländern sind die sogenannten Offshore-Vermögen sogar größer als die Staatsschulden.

(...)

Denn die außer Landes geschafften Vermögensteile dürften zum Großteil den oberen Zehntausend einer Gesellschaft gehören, fließen aber in die Berechnung der Vermögenskonzentration nicht mit ein. Inklusive Offshore-Vermögen ist der Wohlstand der Welt also noch ungleicher verteilt als es ohnehin den Anschein hat.


http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 45747.html
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Re: Wir können auch anders

Beitragvon GG146 » Donnerstag, 11. Februar 2016, 07:21:42

Das ist zumindest nicht ganz falsch:

Soziales

Lafontaine: Hartz IV für Krise in Europa verantwortlich

(...)

Die Einführung des Sozialgesetzes 2005 sei der Auftakt zum „Lohndumping“ gewesen. Dies führe dazu, dass Waren in Deutschland billiger produziert würden als in umliegenden Ländern, die sich verschulden müssten und in denen die Arbeitslosigkeit steige.

(...)


http://www.focus.de/regional/saarbrueck ... 59218.html

Ganz so monokausal lässt sich die europäische Wirtschaftskrise im Kontext der globalen Finanzkrise wohl nicht erklären, aber eines ist klar: Wer am größten Standort der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion auf Spitzenwerte in der Arbeitsproduktivität auch noch einen großen Billiglohnsektor sattelt, exportiert Arbeitslosigkeit.

Das ist auch politisch so gewollt und dass europäische Politiker in Ländern mit geringerer Arbeitsproduktivität sich das gefallen lassen, ist nur mit totaler ökonomischer Inkompetenz oder Korruption zu erklären.
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Re: Wir können auch anders

Beitragvon GG146 » Mittwoch, 20. April 2016, 07:38:44

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Re: Wir können auch anders

Beitragvon GG146 » Mittwoch, 15. Juni 2016, 13:57:09

Auf Facebook / Meudalismus gesehen und kommentiert:

Rotlicht: Feudalismus

Von Jakob Renard

(...)

Damit ist angedeutet, dass im Feudalismus Grund und Boden das hauptsächliche Produktionsmittel waren. Unmittelbare Produzenten sind die Bauern, die den entscheidenden Anteil des Bodens mit eigenem Werkzeug selbständig bewirtschafteten und durch außerökonomischen Zwang zur Leistung der Feudalrente genötigt wurden. Diese Leistungen traten in verschiedenartiger Form auf. In ihrer »rohsten Gestalt« (Marx) erschien die Feudalrente als Fronarbeit, umfass­te als Produktenrente landwirtschaftliche und gewerbliche Erzeugnisse und fand in der Geldrente ihre »letzte Form und zugleich die Form der Auflösung« (Marx).

(...)

Die Schlagworte Neofeudalismus oder Refeudalisierung zur Bezeichnung heutiger Verhältnisse treffen nicht. Mit ihnen soll auf die Existenz eines Geldadels bzw. auf Milliardärsfürsten und auf eine Sozialstruktur, die Züge der alten Ständegesellschaft trage, hingewiesen werden. Der Rechtsrahmen der bürgerlichen Gesellschaft ist aber immer noch intakt, und es ist gerade die immer weiter um sich greifende Expansion der Warenförmigkeit, die zum gegenwärtigen Zustand geführt hat. Wer mit Kategorien des Mittelalters argumentiert, unterstellt eine fehlerhafte Entwicklung innerhalb des Kapitalismus selbst, die es nicht gibt.


https://www.jungewelt.de/2016/06-15/118.php

>> Der Schlusssatz ist ein Eigentor und beruht auf der Unkenntnis des "modernen" Ansatzes. <<

Da liegt der Denkfehler (oder der Antrieb der Lügenmaschinerie, je nachdem):

>> Der Rechtsrahmen der bürgerlichen Gesellschaft ist aber immer noch intakt, und es ist gerade die immer weiter um sich greifende Expansion der Warenförmigkeit, die zum gegenwärtigen Zustand geführt hat. <<

Die eingerissene Methode der Reichen, über unfähige und / oder korrupte Politiker ihre Profite und Profitchancen rein privat zu halten und gleichzeitig Verluste und Verlustrisiken zu vergesellschaften, liegt weit außerhalb des Rechtsrahmens aller Verfassungen demokratischer Staaten.

Die Verfestigung bestehender Klassenschranken durch die Staatsmacht ist das eigentliche Kennzeichen feudaler Systeme.

Auf landwirtschaftliche Latifundien in Abgrenzung zu industriellen Pfründen als Identifikationsmerkmal abzuheben, führt völlig in die Irre.
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